Zurückziehung des früheren Antrags zum Bau eines zusätzlichen Parkplatzes und Planung eines „Wohnmobilhafens“ am Obersee

Behandelt am:
20.10.2022

Beschluss:
- mit Mehrheit beschlossen -

Antrag:
Die BV Schildesche zieht ihren früheren Antrag auf Bau eines zusätzlichen Parkplatzes am Obersee
zurück. Auch die Planungen für einen „Wohnmobilhafen“ auf dem städtischen Grundstück an der
Westerfeldstraße neben dem Viadukt sollen nicht fortgeführt werden.

Begründung:
Der Obersee gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen der Bielefelder. Angefahren wird er in der
Regel mit dem Auto. Das lässt schnell den Schluss zu, dass am Obersee noch mehr Parkraum
geschaffen werden muss. Mittlerweile ist durch das Bielefelder Mobilitätskonzept ein Umdenken in
Gang gesetzt. Durch den im Sommer 2021 eingeführten OberseeBus sollte ein Anreiz geschaffen
werden, den ÖPNV für die Fahrt zum Obersee zu nutzen. Bisher wird dieses Angebot allerdings
wenig genutzt; ein Vorschlag zur Verbesserung des Angebots und zur Erhöhung der Attraktivität
wurde bereits von der BV Schildesche am 1.9.22 eingebracht. Ebenso wurde bereits mit dem
Umweltbetrieb vereinbart, zusätzliche Abstellmöglichkeiten für Fahrräder am Obersee zu
errichten. Die Schaffung weiteren Parkraums wäre da kontraproduktiv und widerspricht dem
Mobilitätskonzept, das auf die Verringerung des individuellen PKW-Verkehrs zielt.
Im Übrigen wird auf den einstimmigen Beschluss des Naturschutzbeirates der Stadt in seiner Sit-
zung vom 7.9.2021 verwiesen, der sich gegen eine Überplanung der Wiese ausgesprochen hat so-
wie auf folgende Argumente des BUND Kreisverbands Bielefeld und des NABU Bielefeld:

  • Die Stadt Bielefeld ist Gründungsmitglied des Kommunalbündnisses für biologische Vielfalt
    und hat sich damit u.a. zur Erhaltung und Stärkung der biologischen Vielfalt verpflichtet. An-
    gesichts der Bestandsrückgänge selbst bei häufigen bzw. ungefährdeten Amphibienarten
    bundesweit (vgl. Rote Liste 2020) und wohl auch in Bielefeld (Amphibienschutzkonzept der
    Stadt Bielefeld 2021) sind alle bekannten Amphibienpopulationen zu schützen.
  • Aus Gründen des Arten- und Klimaschutzes muss auf jede unnötige Inanspruchnahme
    von Flächen verzichtet werden. Die für einen weiteren Parkplatz am Obersee vorgesehene
    Fläche ist ein Rückzugsraum für Amphibien. Wichtig ist die Fläche zudem als Frischluft-
    schneise, auf die angesichts der zunehmenden Temperaturen nicht verzichtet werden sollte.
  • Die für die Errichtung eines Parkplatzes bzw. Wohnmobilhafens erforderlichen Gelder sind
    bei den in Zukunft geplanten umfangreichen Investitionen der Stadt in klimafreundliche Mo-
    bilitätsprojekte nicht vertretbar.
  • Sowohl ein Parkplatz als auch ein Wohnmobilhafen sind mit einer Verkehrswende nicht ver-
    einbar.

Wenn die Busverbindung zum Obersee, wie im Beschluss der BV vom 1.9.22 vorgeschlagen, künftig
deutlich verbesserte Möglichkeiten bietet, den Obersee auch ohne PKW zu erreichen, sind zusätzli-
che Parkplätze entbehrlich. Wir setzen uns dafür ein, die Bürgerinnen und Bürger dann gezielt, z.B.
per Flyer oder Radio Bielefeld oder mit Werbung seitens moBiel über das verbesserte Angebot zu
informieren. Ähnlich wie bei der Einführung der des Schönwetter-Busses nach Olderdissen soll
eine gute Werbung die hohe Bedeutung des Obersees und seine Nutzung als Erholungsort und die
damit notwendige Rücksichtnahme durch weniger Individualverkehr herausgestellt werden.
Als Wohnmobil-Stellplatz eignet sich die Wiese aus unserer Sicht auch deshalb nicht, weil es an
dieser Stelle eine erhebliche Geräuschentwicklung durch die Bahnstrecke gibt, besonders nachts
durch die Güterzüge. Ein weiterer Ausbau des vorhandenen und gut eingeführten Wohnmobilstell-
platzes auf dem Johannisberg erscheint uns ökologisch wie ökonomisch weit sinnvoller und günsti-
ger.

gez.
Ruth-M. Wegner
Jörg Benesch
Bernd Adolph

An: Bezirksamt Jöllenbeck, Frau Marina Knoll-Meier